Die Hoffnung liegt unter der Erde
Am Biohof Bauer z’Reitern versuchen Romana Stadler und Stefan Katzensteiner, ihre Böden widerstandsfähiger zu machen. Wie viel kann regenerative Landwirtschaft gegen die Dürre ausrichten?
Theresa Steffner
Romana Stadler (29) und Stefan Katzensteiner (34) haben den Biohof Bauer z’Reitern vor fünf Jahren übernommen. Foto: privat.
Zehn Siloballen pro Hektar. So viel Futter holt Stefan Katzensteiner pro Schnitt aus seinen Wiesen. In den mit Folie umwickelten Ballen lagert das Futter für seine Rinder. Heuer waren es stellenweise nur noch ein oder zwei. Die Trockenheit ließ das Gras kaum wachsen. „Ich verfahre mehr Diesel, als ich Futter bekomme“, sagt Katzensteiner. Trotzdem sei die eigene Produktion noch günstiger als der Zukauf: Das Pressen eines Siloballens kostet rund 20 Euro, zugekauft kosteten sie heuer zeitweise das Zehnfache.
Kann ein gesunder Boden solche Verluste abfedern?
Auf dem 24 Hektar großen Biohof Bauer z’Reitern in Engerwitzdorf halten Romana Stadler und Stefan Katzensteiner rund 40 Angus-Rinder, Ochsen und Kälber. Es gibt Feldgemüse, Roggen- und Dinkelmehl, Getreidereis und Eingemachtes. „Hauptaugenmerk ist schon das Fleisch“, sagt Stadler.
Vor fünf Jahren hat das Paar den Hof von Stadlers Eltern übernommen. Seither stellen sie ihren Betrieb Schritt für Schritt auf regenerative Landwirtschaft um. Dabei geht es darum, Böden, Wasserkreisläufe und Artenvielfalt durch die Bewirtschaftung langfristig zu verbessern. Am Biohof Bauer z’Reitern steht vor allem der Boden im Mittelpunkt. Denn die trockenen Sommer setzen den Feldern zu.
Oberösterreich zählt heuer zu den am stärksten von der Dürre betroffenen Bundesländern. Laut Geosphere Austria lag die Niederschlagsmenge zwischen 1. Jänner und 12. August 42 Prozent unter dem langjährigen Schnitt. Nur in Niederösterreich war das Minus mit 43 Prozent noch größer.
„Dass die Trockenheit so stark und bald im Frühjahr einsetzt, hätte ich nicht gedacht“, sagt Katzensteiner.
Am Hof hat das bereits Konsequenzen: Schlachtungen wurden vorgezogen, um Futter zu sparen. Damit sind die beiden Jungbauern nicht allein. Laut APA wurden zeitweise doppelt so viele Rinder an einen Schlachtbetrieb in Linz geliefert wie üblich. Das drückt auch den Preis für das Vieh.
Für die Landwirte bedeutet das: Im kommenden Jahr könnte Fleisch fehlen, weil die Tiere früher geschlachtet wurden. Die beiden sehen das vergleichsweise gelassen, da die Nachfrage im Sommer ohnehin geringer sei. „Wir können es uns ja richten“, sagt Katzensteiner, weil sie bei den Schlachtungen etwas Spielraum haben.
Mit mehr Vorlauf hätten die beiden sich besser vorbereiten können. Ein bis zwei Jahre früher hätten sie anders bepflanzt, mehr Futterreserven angelegt und weniger Tiere behalten.
„Im Nachhinein ist man immer klüger“, sagt Stadler.
Klar war für sie schon vor der Übernahme: „Wenn ich den Hof bekomme, dann will ich ihn Bio führen.“ Zuvor wurden die Stiere in Boxen gemästet. Stadler wollte es anders machen: „Mit der Natur nicht dagegen“, betont sie.
Wie regenerative Landwirtschaft am Hof aussieht
Runde Krümel, eine lockere Struktur, Erde, die durch die Hand rieselt. Und ein fruchtiger Geruch. So beschreibt Stadler einen gesunden Boden. An vielen Stellen ihres Hofes fand sie jedoch das Gegenteil: harte, kantige Brocken, die beim Anfassen aufstauben. Stadler begann sich daher intensiver mit dem Bodenaufbau zu beschäftigen.
Eine Methode, auf die sie dabei setzen, ist das System der Dammkultur nach Turiel. Eine traditionelle Methode, die Julian Turiel in Nordspanien entwickelt hat. Dabei wird das Getreide auf Dämmen angebaut, ähnlich wie bei Erdäpfeln. Mit nur einem Gerät kann man den ganzen Acker umstellen. Von der Tiefenlockerung über die Aussaat bis zur Pflege. Das spart Maschinen, lockert den Boden auf und ermöglicht den Pflanzen, tiefer zu wurzeln.
„Ich bin Quereinsteiger und habe mir viel auf YouTube dazu angesehen“, sagt Stefan Katzensteiner. Der gelernte Koch weiß, wie sich der Boden durch die Art der Bewirtschaftung verändert. Die Dämme halten die Feuchtigkeit länger, der Boden ist besser durchlüftet und kann gleichzeitig große Regenmengen aufnehmen. „Wir hatten kaum Probleme mit Abschwemmung oder stehendem Wasser“, sagt Katzensteiner.
Die Zwischenräume werden mit einer Untersaat wie etwa Klee begrünt, damit der Boden nach der Ernte möglichst bedeckt bleibt. Der Vorteil: Ist die Hauptfrucht geerntet, muss der Acker gerade in heißen Perioden nicht erneut geöffnet werden. Die beiden arbeiten außerdem mit angepasstem Saatgut. Bei manchen Kulturen hätten sie deutlich bessere Erträge beobachtet.
Auf diesem Feld wurde beim Einsäen der Luzerne versehentlich ein Streifen ausgelassen. Der Unterschied im Pflanzenwachstum und Ertrag ist deutlich sichtbar. Foto: Romana Stadler
Auf einer Fläche haben sie etwa die Futterpflanze Luzerne angebaut. Sie wurzelt besonders tief und kann Wasser aus tieferen Bodenschichten erreichen – vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen.
Der trockene Sommer zeigt allerdings auch die Grenzen. „Wenn kein Regen mehr kommt, macht das alles keinen Unterschied“, sagt Katzensteiner. Ein gesunder Boden wirke als Puffer, könne aber fehlendes Wasser nicht ersetzen.
Im zweiten Teil, der in zwei Wochen erscheint, geht es darum, welche Maßnahmen über den einzelnen Hof hinaus nötig werden. Dafür werfen wir auch einen kurzen Blick nach Portugal.
Quellen & nützliche Links
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